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Das Labyrinth – Sinnbild des Lebens

„Tja, und seitdem lebe ich hier und alles ist gut so, wie es ist.“ Mit diesen Worten schließt die alte Frau ihren Bericht. Ich habe ihr atemlos zugehört. Was für ein Leben! Traumatische Fluchterlebnisse, immer wieder Neuanfänge, Verluste, Krankheiten und auch großes Glück hat sie erlebt in fast 90 Jahren. „Wie haben Sie es geschafft, nicht zu verbittern?“ möchte ich noch wissen. „Ach wissen, Sie, im Nachhinein hat alles seinen Sinn gehabt und ich habe meistens gefühlt, dass ich meinen Weg nicht alleine gehe.“ Das Gespräch geht mir noch nach. So versöhnt und dankbar alt zu werden, ist ein großes Glück. Ein altes Symbol passt dazu:  das des Labyrinthes. 

Wer ein Labyrinth durchschreitet, geht einen verschlungenen Weg mit vielen Wendungen, um zur Mitte zu kommen.  Unterwegs kommen Fragen: Wohin führt der Weg? Reicht meine Kraft? Ist es noch weit? Wo ist mein roter Faden? In der Draufsicht sieht das Labyrinth vollkommen aus. Trotz der Umwege und Wendungen ergibt es ein  sinnhaftes Ganzes. So wie das Leben.

Labyrinthe gibt es seit Tausenden von Jahren in aller Welt. Aus Steinen gelegt, in Fels geritzt, gemalt, in Meeresnähe, in Felshöhlen und in alten Kirchen. Das Besondere ist: im Labyrinth kann man sich nicht verlaufen. Es gibt nur einen Weg zur Mitte.  Darin unterscheidet sich das Labyrinth von einem Irrgarten und macht es so hoffnungsvoll.

Am heutigen Samstag findet im ehemaligen Pfarrhaus Zerpenschleuse ein Begegnungstag für Frauen statt. Einen Tag lang werden wir über die Wege des Lebens nachdenken. Das Labyrinth soll uns helfen, Schönheit,  Kraftquellen und  Weggefährten zu entdecken und  zu überlegen, was wir uns wünschen für den weiteren Weg. 

Sind Sie neugierig geworden? Weitere Veranstaltungen für Frauen finden Sie auf der Webseite des Kirchenkreises Barnim oder nehmen Sie mit mir Kontakt auf. 

Und falls Ihnen im Laufe des Sommers irgendwo im Urlaub ein Labyrinth begegnet, halten Sie inne, gehen Sie hindurch und schauen Sie, was passiert.


Sabine Müller (54) ist Pfarrerin in Groß Schönebeck, Eichhorst und Zerpenschleuse und Frauenbeauftragte im Evangelischen Kirchenkreis Barnim.

Letzte Änderung am: 22.06.2018