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RSSPrint

Einer trage des anderen Last

Er sitzt zusammengesunken am Boden. Die Trauer um seine liebe Frau hat ihn buchstäblich zu Boden gedrückt. Dabei wollte er doch stark sein. Er stürzte sich in die Arbeit, um sich abzulenken. Nun überfällt ihn alles. Die Welt bricht um ihn zusammen. Ein Freund findet ihn in dieser Situation. Und was macht er? Er setzt sich an seine Seite und legt den Arm um ihn. So sitzen sie eine Weile und sagen nichts. Dann fangen sie an zu reden. So kann es aussehen, des anderen Last zu tragen. Es beginnt mit dem Sehen und Wahrnehmen.

 

Die Überschrift ist ein Zitat aus der Bibel. In dem Zusammenhang geht es um Last, die aus einer Verfehlung entstanden ist. Keiner ist gegen Versagen gefeit. Zu Überlegen-heitsgefühlen gibt es keinen Anlass. Doch viel zu leicht stellen sie sich bei uns ein. Wie schnell geht es durch alle Medien und wie rasch macht sich Entrüstung breit, wenn ein Promi sich irgendeinen Fehler geleistet hat.  

 

Christus hat es vorgelebt, was es heißt, des anderen Last zu tragen. Er hat sich nicht über andere Menschen gestellt, sondern an ihre Seite. Er wendete sich in Liebe den Ausgegrenzten, den Verachteten, den Kranken und den Schuldig-gewordenen zu. Und seine Liebe verändert Menschen.

 

Wie wäre es, wenn wir, statt uns zu entrüsten und andere zu be- und verurteilen, einmal versuchen würden uns in ihre Lage zu versetzen. In die Schuhe des anderen zu steigen und zu fragen: Warum denkt, redet und handelt die Person so? Was sind ihre Beweggründe? Welche Ängste und Probleme schleppt sie mit sich herum? Vielleicht gäbe es dann weniger Wut- und Hasskommentare auf Internetplattformen und das Miteinander in unserer Gesellschaft wäre freundlicher.

 

Brunhilde Börner, Oberin im Ruhestand im Missionshaus Malche in Bad Freienwalde

Letzte Änderung am: 16.01.2020