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„Weißt du, wie viel Sternlein stehen? ...“

Das alte Kinderlied klingt in mir, wenn ich abends manchmal den Blick nach oben richte: Sterne, ein Funkeln, ein Strahlen. Vom „Morgenstern“ haben wir in den Kirchen gesungen, von dem einen Stern, der uns den Weg weist, das Kind in der Krippe, Gottesgabe.
 
Man muss viel glauben, wenn man nicht an Gott glaubt. Wer den Schöpfer nicht ehrt, muss wohl, will er nicht die Welt als Unsinn denken, die Natur vergotten. Dann sind die Externsteine im Teutoburger Wald nicht urig geformter Kalkstein, sondern Heil-Ort; Aromen retten und Bäume reden; Sterne sind Freund oder Feind, bestimmen unser Leben. Wer‘s glaubt wird selig, so scheint es. Wir sehnen uns nach hoher Bedeutung. Das zeichnet Religion aus: Sie macht Menschen zu Kindern Gottes.
 
Christen mag das Vertrauen stärken: Von guten Mächten wunderbar geborgen! Den Jüngerinnen und Jüngern der Esoterik aber ist dieses Kirchenwissen zu banal, sind die Gemeinden zu bieder, ist die Bibel zu langweilig. Sie wollen durch Wissen von Geheimem in Sinn eingeweiht werden, wollen auserwählt sein durch die Gefolgschaft Auserwählter.
 
Es nagt an manchem von uns die Frage, warum man hier ist auf dieser schönen, armen Erde. Wessen Seele flattert, der kann leicht zu Geistheilerei neigen, oder er versucht es mit Pendelschwingen oder Tarot. Wer das Ungewisse der Zukunft nicht aushält, kann darauf verfallen, sich mittels Astrologie, Horoskopen oder Mondkalender einen Schein von Sicherheit zu besorgen. Auch Urin-Trinken, Engellehre und für die Hartgesottenen Satanismus sind möglich. Das meiste esoterische Wissen ist Haschen nach Wind mit Anklängen von Weisheit, es muss nur teuer sein. Da sind mir Gebete und Segensworte der Bibel doch vertrauenswürdiger und freue mich am Sternenhimmel über mir.
 
 
Pfarrer Dr. Andreas Reich, Krankenhausseelsorger Klinikum Barnim

 

Letzte Änderung am: 15.01.2019