Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Wie die Zeit vergeht …

Geht es Ihnen auch so; eben noch, in den Sommermonaten, hatte ich das Gefühl, in der Mitte des Jahres zu stehen, nur wenig später, jetzt im September denke ich, das Jahr ist schon fast vorbei. Am Anfang des Jahres das Gefühl eines langen Zeitraumes und am Ende heißt es oft: Wo ist nur die Zeit geblieben? Diese Auffassung relativiert sich, betrachte ich einmal den kosmischen Rahmen, in dem wir leben. Ein Jahr ist ein Nichts angesichts des Alters der Erde von 4,6 Milliarden Jahren oder des ganzen Universums von rund 13,81 Milliarden Jahren. Ein Jahr ist da fast unbedeutend.

 

Diese Perspektiven erschrecken. Sie sprengen mein Vorstellungsvermögen und werfen weitere Fragen auf: Was war vor dem Universum, was war vor 14 oder 15 oder 50 Milliarden Jahren? Nichts? Hat die Zeit ein Ende? Was kommt danach? Nichts oder Unendlichkeit? Die moderne Wissenschaft weiß, dass sich das Universum ausdehnt. Wohin? Und was ist das, wohin es sich ausdehnt? Nichts oder Unendlichkeit? Je mehr Antworten die Wissenschaft findet, desto mehr Fragen stellen sich.

 

Ich will diesen Fragen nicht ausweichen, manche mögen sie erschrecken, mir sind sie eher ein Trost. Weil ich in ihnen eine Spur Gottes entdecke. Das ist meine Interpretation. Kein Beweis aber eine Interpretation, mit der ich gut leben kann; dass in allem, was wir Menschen nicht verstehen, dennoch ein Sinn ist, Gottes Sinn. Eine Interpretation, mit der ich besser leben kann als mit der Annahme, alles sei nur sinnloser Zufall. Blaise Pascal, ein Physiker und Philosoph des 17. Jahrhunderts, hat geschrieben: „Alle Dinge entwachsen dem Nichts und ragen bis in das Unendliche. […] Der Schöpfer dieser Wunder begreift sie; niemand anderes vermag es.“ Und in Gott, dem Schöpfer, weiß ich meine Zeit und alle Zeit bis hin in die Unendlichkeit gut aufgehoben.

 

Pfarrerin Konstanze Werstat, Evangelische Kirchengemeinde von St. Marien zu Bernau

Letzte Änderung am: 13.09.2019