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RSSPrint

Mutig und beharrlich

„Ach, Sie sind Pfarrerin? Dürfen Sie das denn als Frau?“ Hin und wieder höre ich diesen Satz, doch meistens sagen die Fragenden nach einem Moment noch: „Ach so, ja, Sie sind ja evangelisch.“ Dabei ist es in der evangelischen Kirche noch nicht lange eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen im Pfarramt tätig sind.

Kürzlich wurde in der Berliner Marienkirche gefeiert, dass vor 75 Jahren die ersten Frauen ordiniert wurden, ihnen also „Auftrag und Recht zur Ausübung des öffentlichen Amtes verliehen wurden.“ Und seit 45 Jahren gibt es für Pfarrerinnen die volle rechtliche Gleichstellung. Die große Marienkirche war gut gefüllt zu diesem Festakt, vor allem mit Frauen. Ganz vorne saßen viele Pfarrerinnen, die noch um ihre Anerkennung kämpfen mussten, die gleiche Arbeit ohne gleiche Rechte leisteten oder aus dem Dienst entlassen wurden als sie heirateten. Es brauchte ihren Mut und ihre Beharrlichkeit um etwas zu verändern.  

Nach dem ersten Weltkrieg durften Theologinnen vor allem mit Frauen, Kindern, Jugendlichen arbeiten als sogenannte „Vikarinnen.“ Durch den Pfarrermangel nach dem zweiten Weltkrieg, traten sie freie Pfarrstellen unter schwierigen Bedingungen an. Als die Zeiten sich besserten, verloren viele Frauen ihre Position wieder. Es dauerte dann noch bis 1974, dass ein neues Pfarrdienstgesetz die volle Gleichstellung für Pfarrinnen garantierte. Heute sind 35 % Frauen im Pfarramt. In Führungspositionen ist der Anteil wesentlich geringer. Dennoch sind Pfarrerinnen Normalität.  Doch es gibt immer wieder Gegenwind. Von einer „Verweiblichung der Kirche“ reden Kritiker und davon, dass der Pfarrberuf nicht mehr attraktiv ist, wenn ihn so viele Frauen ausüben. In Lettland wurde die Ordination von Frauen inzwischen wieder verboten. Und ich weiß von Menschen in unseren Gemeinden, dass ihnen ein Mann im Pfarramt irgendwie „besser“ vorkommt.

Warum eigentlich? „Ich möchte Pfarrerin werden, vielleicht sogar auf dem Land!“ sagt mir eine Theologiestudentin. Sie muss ein Praktikum absolvieren und ruft mich an, weil sie das gerne bei mir, in einem Landpfarramt, tun möchte. Ich sage ihr zu und freue mich auf die Gespräche, Wahrnehmungen und die Unterstützung dieser jungen Frau und hoffentlich künftigen Pfarrerin.

 

Pfarrerin Sabine Müller, Groß Schönebeck

Letzte Änderung am: 15.05.2019