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Geschenkte Zeit und Ruhe

Die Einsamkeit und Ruhe, die viele in der Corona-Zeit erleben, sind nicht nur ein Verlust. Es ist die Frage, wie wir sie gebrauchen. Bin ich verdammt, dem Verlust nachzulaufen, den mir diese Situation zufügt und mir selbst immer wieder schmerzlich vor Augen zu halten, was jetzt alles nicht geht, oder habe ich den Mut, den Gewinn der Einschränkung wahrzunehmen und den Segen der verordneten Ruhe zu genießen oder mich wieder auf die Zeit nach der Pandemie vorzubereiten?

Bevor Jesus in die Öffentlichkeit trat, so erzählt die Bibel, zog er sich für 40 Tage in die Wüste zurück. Er betete, übte einfaches Leben, trat heraus aus der Geschäftigkeit seiner Zeit. Er suchte die Nähe zu Gott. Das alles tat er nicht, weil er keine Lust hatte, Menschen zu begegnen, oder zu faul war, etwas zu tun, sondern er tat es gerade, weil er auf die Begegnung mit Menschen gut vorbereitet sein wollte.

Wenn wir Ruhe sinnvoll nutzen, kann das, was wir dabei erleben und erfahren für uns, für unsere Gesundheit und für unser Tun an anderen von großem Nutzen sein. Die Rastlosigkeit des überfüllten Alltags bekommt ein Gegengewicht. Das Auge nimmt Dinge wahr, die wir lange nicht gesehen haben. Wir werden aufmerksam auf manches, was wir längst vergessen haben. Wir haben Zeit Gedanken zu denken, die lange schon gedacht werden wollten. Vielleicht erfahren wir auch ein Stück Glauben und Vertrauen. Gern versuche ich auch, diese Situation anzunehmen, und hoffe dennoch, dass ich bald wieder mit vielen anderen zusammen sein kann, auch mit den neuen Erfahrungen, die ich in der erzwungenen Ruhe freiwillig gemacht habe.


Hanns-Peter Giering, Pfarrer in der Ev. Stadtkirchengemeinde Eberswalde

Letzte Änderung am: 16.01.2021