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Weil das Leben größer ist als wir!

Wir leben in ungewissen Zeiten. Worauf kommt es an? Was kann uns im Umgang mit der Corona-Pandemie helfen? Da schreibe ich Ihnen heute von einer wahrhaft aus der Mode gekommenen Vokabel: DEMUT! Bitte winken Sie nicht gleich ab, auch wenn Sie zuerst an Unterwürfigkeit denken. Die meine ich nicht. Bitte lesen Sie weiter, auch wenn Ihnen zunächst nur Zwang und Machtmissbrauch einfallen. Demut geht anders.  Ich weiß, Demut klingt nicht schick, aber ich glaube, als ehrliche, innere Haltung kann sie uns gerade eine Hilfe sein.

Das Wort Demut leitet sich von dem althochdeutschen „Diomuoti“ her und bringt die Gesinnung und Bereitschaft des Dienens zum Ausdruck. Es geht aber eben nicht um Macht oder Hierarchie, sondern um eine Haltung, die akzeptiert, dass es zwischen Himmel und Erde vieles gibt, was wir Menschen nicht in der Hand haben.

Für Christen beschreibt Demut die Haltung des Geschöpfes gegenüber dem Schöpfer. Jeder neue Tag ist ein Geschenk. Das macht mich demütig und dankbar.

Die mittelalterliche Frömmigkeit kannte dafür das lateinische „humilitas“, das man mit Kleinheit oder Niedrigkeit übersetzen kann. Das Wort Humus steckt da drin, der Erdboden, auf dem wir stehen, zu dem wir auch wieder werden. Niemand verlangt, dass wir auf die Knie gehen, aber ab und zu ein Blick nach unten erinnert an Bescheidenheit und Demut.

Wer demütig ist, erkennt und akzeptiert, dass er nicht vollkommen ist und dass es etwas Höheres gibt. Das erleben wir gerade mit dem Corona-Virus. Ein Teil von Demut ist die Bescheidenheit. Laute Parolen oder Querdenken helfen uns also gerade nicht, eher das verantwortungsbewusste Tragen der Maske. Mutter Teresa hat einmal gesagt: „Demut ist Verzicht auf Überlegenheit.“ Dem Virus sind wir (noch) nicht überlegen. Und auch sonst sollten wir uns mit diesem Anspruch zurückhalten.


Christoph Brust, ev. Pfarrer in Biesenthal und Vorsitzender des Leitungskollegiums im ev. Kirchenkreis Barnim

Letzte Änderung am: 24.10.2020