Zur Hauptnavigation springen Zur Suche springen Zum Inhalt springen
RSSPrint

Moment mal ...

Organspende

Herbert G., 64 Jahre alt, ist seit langem schwer krank. Er wartet auf ein neues Herz, doch es gibt für ihn keines. Er ist einer von etwa 11.000 Menschen in diesem Land, die auf ein Organ warten. Die Not ist groß. Nur etwa ein Drittel aller Deutschen trägt einen Organspendeausweis bei sich. Das ist nicht viel, genauer: es ist viel zu wenig. Im Jahre 2017 waren es gerade einmal 800 Menschen, die ein oder mehrere Organe gespendet haben, so wenig wie schon seit 20 Jahren nicht mehr. Wie können Menschen dazu bewegt werden, etwas von sich selbst anderen zur Verfügung zu stellen?

 

Genau sechs Jahre alt ist das Transplantationsgesetz, das uns zu einer Entscheidung auffordert, ob wir bereit sind, Organe zu spenden. Den gewünschten Erfolg hat es uns nicht gebracht. Nun unternimmt unser Bundesgesundheitsminister erneut den Versuch, dies zu ändern. Er will die doppelte Widerspruchslösung, d. h. wenn der Verstorbene einer Organentnahme nicht widersprochen hat, können es die Bevollmächtigten, meist Angehörige, tun. Falls ein „Nein“ ausbleibt, wird dem Verstorbenen alles entnommen, was gerade gebraucht wird. Diese Regelung wird bereits in einigen europäischen Ländern wie Österreich praktiziert. Sie zur Pflicht zu machen, verletzt jedoch meiner Überzeugung nach das Selbstbestimmungsrecht und damit die Würde des Menschen. Keine Notlage darf uns zwingen, unsere Organe herzugeben! Dies wäre ein schwerer Eingriff in die persönliche Integrität und individuelle Gewissensfreiheit. Hilfreich die Alternative von evangelischen Frauen: www.organspende-entscheide-ich.de.

 

Der Mensch ist eben kein „Ersatzteillager“ und seine Organe keine Handelsware. Einen Anspruch auf ein Organ eines anderen Menschen gibt es nicht. Als Person haben wir nicht einen Körper sondern sind unser Körper, vereint mit Seele und Geist. Organspende muss Spende bleiben: eine aktive und freiwillige Entscheidung.

 

Dr. Andreas Reich, Krankenhausseelsorger im Klinikum Barnim

 

 

Letzte Änderung am: 12.11.2018